Teil 2. Patchwork: Zuschneiden und Nähen

Gestern habe ich euch im ersten Teil geschildert, was Patchwork ist und was ihr dazu braucht.
Heute geht es ans Eingemachte: Zuschneiden und Nähen! Vorher aber möchte ich noch etwas zu den Stoffen sagen, die ihr wohlmöglich schon gekauft habt und was vor dem Zuschneiden zu überlegen ist.

Stoffe, Precuts und Vorwaschen oder nicht…
Wenn ihr Stoffe kauft, dann entweder vom Stoffballen – also Meterware oder als sog. Precuts. Das sind vorgeschnitten Stoffstücke in bestimmten Größen. Folgende Begriffe werden euch dabei am häufigsten begegnen:

Fat Quarter     ein Stoffstück 18″ x 22″ Inch (ca. 45 x 55 cm)
Charm Pack    eine Stoffpackung aus 42 Stoffstücken 5″ x 5″ Inch (ca. 12,5 x 12,5 cm)
Layer Cake     eine Stoffpackung aus 42 Stoffstücken 10″ x 10″ Inch (ca. 25,5 x 25,5 cm)
Jelly Roll         eine Rolle mit 40 Stoffstreifen 2,5″ x 44″ Inch (ca. 6,5 x 110 cm)

Jelly Rolls in der Quiltmanufaktur (je 20 Streifen 2,5″ x 44″ Inch)

Die Frage, die mir am häufigsten beim Stoffkauf gestellt wir, ist ob man die Stoffe vor dem Zuschneiden und Nähen waschen sollte? und wenn ja, wie?

Precuts sollte man nie vorwaschen, sondern immer erst den fertigen Quilt aus dieser Ware als Ganzes in der Maschine waschen! Zum einen, weil die Stoffe eingehen und zum anderen, weil sie beim Waschen ausfransen.

Meterware (also Stoffe, die vom Ballen abgeschnitten werden) kann man Vorwaschen – ich mache das immer. Baumwollstoffe, bzw. Patchworkstoffe in guter Qualität laufen beim Waschen in der Waschmaschine so um die 3% ein. Das muss man beim Kauf der Ware immer mit einkalkulieren! Zudem fransen die Stoffe, die in der Waschmaschine gewaschen werden, an den Schnittkanten aus. Auch das reduziert die Menge an Stoff, die man zum Zuschneiden dann noch verwenden kann. Kauft also nie zu knapp ein, wenn ihr ein bestimmtes Projekt im Auge habt. Bei Anleitungen in Büchern und Zeitungen sind solche “Zusatzmengen” an Stoff meist schon mit einberechnet – aber verlasst euch nicht unbedingt drauf….
Um das Ausfransen zu vermeiden, gibt es die Möglichkeit, die Stoffe im Waschbecken per Hand zu waschen. Verwendet dazu Handwarmes Wasser und gebt Waschpulver hinzu und wascht die Stoffe darin. Im Anschluss hängt ihr sie auf eine Wäscheleine. Wenn sie fast trocken sind, dann bügelt die Restfeuchte mit dem Bügeleisen (0hne Dampf) raus. Diese Methode ergibt das gleiche Resultat wie beim Waschen in der Maschine.

Kann man alle Stoffe mit unterschiedlichen Farben zusammen waschen?
Grundsätzlich gilt bei Stoffen das gleiche wie bei Bekleidung: weiße Wäsche, helle Buntwäsche und dunkle Buntwäsche getrennt waschen. Bei Stoffe jedoch kann es passieren, das die Farben “ausbluten”, die Stoffe also ihre Farbe abgeben… Wenn ihr nicht jeden Stoff einzeln waschen wollt, dann könnt ihr Farbfängertücher verwenden. Die nehmen die aus dem Stoff auslaufende Farbe auf und die anderen mitgewaschenen Stoffe werden nicht verfärbt!

Farbfängertücher von verschiedenen Firmen

Ich verwende sie häufig und gebe dabei gerne mal ein-zwei Tücher mehr mit in die Wäsche als auf der Packungsbeilage empfohlen – sicher ist sicher!

Zuschneiden der Stoffe
Solltet ihr eure Stoffe vorgewaschen haben, dann bügelt sie ordentlich und legt sie anschließend wieder doppelt, so wie ihr sie beim Kauf bekommen habt.

Fünf ganz wichtige Punkte, an die ihr beim Zuschnitt immer denken solltet:

  1. Immer erst Nachdenken, bevor man zuschneidet (falscher Zuschnitt ist unnötiger Stoffverbrauch)
  2. Man schneidet immer vom Körper weg oder parallel zu diesem!
  3. Nach jedem Schnitt mit dem Rollschneider unbedingt die Sicherung über die Klinge schieben, damit ihr euch nicht verletzt!
  4. Das Lineal mit dem Gewicht des ganzen Arms auf dem Stoff platzieren, sonst verrutscht es euch beim Zuschnitt 
  5. Die Hand, mit der ihr das Lineal haltet, nicht direkt an der Schnittkante platzieren!

Legt euren Stoff auf die Schneidematte, die untere Stoffschnittkante sollte gerade abgeschnitten sein. Dazu richtet den Stoffbruch an einer der horizontalen Linien auf der Matte aus und dann schneidet die untere Kante anhand der untersten vertikalen Linie auf der Matte gerade. Stoffbruch und geschnittene Stoffkante ergeben einen 90° Winkel.

Für das Quiltprojekt, anhand dessen ich euch Patchwork erklären möchte, benötige ich mehrere Quadrate 8″ x 8″ Inch (ca.20 x 20 cm).
Legt euer langes Patchworklineal so über den Stoff, das ihr links und rechts neben den Stoff die obere Kante des Lineals auf der Linie von 8″ Inch deckt.
Öffnet die Sicherung des Rollschneiders und schneidet entlang der Kante des Lineals den Stoff durch.

Öffnet den Stoff auf die volle Breite und legt ihn exakt an die untere Linie der Schneidematte an. Die Webkante des Stoffes richtet etwas über der linken ersten Linie der Matte aus. Anschließend wird diese Webkante weggeschnitten, denn man kann sie für dieses Projekt nicht gebrauchen.

Der nächste Schnitt erfolgt an der horizontalen Linie bei 8″ Inch. Wenn ihr diese Linie durchtrennt habt, erhaltet ihr euer Quadrat von 8″ x 8″ Inch!

Für jedes Projekt, das ihr macht, überlegt euch vorher, wie groß es werden soll. Bei Quadraten ist das natürlich sehr einfach. Das Beispiel, das ich hier vorstelle, soll aus 4 Quadraten pro Reihe und 5 Reihen bestehen. Jedes zugeschnittene Stoffstück ist 8″ Inch im Quadrat.

In der Darstellung seht ihr die geschnittene Fläche, die rundum 1/4″ Inch Nahtzugabe beinhaltet.
Jedes geschnittene Quadrat hat rings herum Nahtzugabe! Die Nahtzugabe, wenn man in Inch-Einheiten arbeitet, beträgt 1/4″ Inch.
Dadurch ergibt sich für jedes Quadrat eine fertige Breite (ohne Nahtzugabe) von 7,5″ Inch. Das 1/2″ Inch weniger ergibt sich aus der dann als Nahtzugabe vernähten Stoffmenge.
4 Stoffquadrate pro Reihe ergeben somit eine fertige Breite von 30″ Inch (ca. 76 cm).
5 Reihen ergeben 37,5″ Inch (ca. 95 cm)

Zusammen nähen / patchen
Habt ihr alle Quadrate sorgsam zugeschnitten, dann kommt jetzt der kreative Teil des Projekts! Ihr müsst euch die Anordnung eurer Quadrate überlegen…

Quiltmanufaktur – Layout der 20 geschnittenen Quadrate

Manchmal ist es verdammt schwierig, das richtige Layout hin zu bekommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir glauben, dass es noch perfekter geht… Meine Erfahrung ist die, dass das erste Layout meist das Beste ist! Bei kleinen Projekten, wie diesem ist das Auslegen auf dem Fußboden oder einem Tisch die beste Möglichkeit, sich einen Überblick über das Ganze zu verschaffen.
Ordnend eure 20 Quadrate so an, das sie zu vier Stück pro Reihe und in fünf Reihen liegen.

Jetzt nehmt ihr euch die 4 Quadrate der ersten Reihe zusammen und setzt euch an eure Nähmaschine!
Stichlänge bei Patchwork ist immer so um die 2 bis 2,5 mm. Bei dieser kleinen Stichlänge braucht ihr die Naht am Anfang und Ende nicht verriegeln – das macht man beim Patchwork generell nicht. Die Stoffe werden je rechts auf rechts gelegt und entlang der rechten Seite des Patchworkfüßches entlang genäht.

Die rechte Füßchenkante als Anhaltslinie für das Abnähen mit 1/4″ Inch Nahtzugabe

Die einzelnen Stoffquadrate werden wie im folgenden Diagramm zusammen genäht. Dabei wird immer abwechseln je von der gegenüberliegenden Kante die Naht angefangen. Würdet ihr immer von der gleichen Seite anfangen, würde die obere Seite etwas breiter als die untere Seite – klingt komisch, ist aber so (vertraut mir…)

Stoffquadrate zusammenfügen – dabei immer von der entgegengesetzten Seite mit der Naht beginnen
Wenn ihr die einzelnen Reihen fertig genäht habt, geht es zum Bügeln. Hier gibt es in der großen Patchworkgemeinde sehr unterschiedliche Ansichten! Nahtzugabe auf eine Seite bügeln oder Nahtzugabe auseinander bügeln… Ich bevorzuge das Auseinanderbügeln. Es macht die Nähte flacher. Wenn bei manchen Mustern viele Nahtzugaben auf einer Stelle aufeinander treffen, dann hat man bei erster Variante eine unschöne Wulst. Schlussendlich muss das aber jeder für sich selbst entscheiden!
Nahtzugabe auseinander gebügelt
Anschließend werden die 5 Reihen miteinander verbunden. Um die Nahtkreuzungen immer exakt zu treffen, verwende ich Stecknadeln. Diese stecke ich durch die übereinander liegenden Nahtverläufe der jeweiligen Reihen.
Stecknadeln durch den Nahtverlauf der jeweiligen zu verbindeden Reihen stecken

Alle Nahtverläufe so stecken und wenn nötig auch noch weitere Nadeln quer zur Naht anbringen, damit die Nahtzugaben ordentlich ab genäht werden können.
Über die quer gesteckten Nadeln kann man drüber hinweg nähen
Genau wie beim Verbinden der einzelnen Quadrate pro Reihe gilt hier für das Zusammensetzten der Reihen, das man sie jeweils immer von der entgegengesetzten Seite beginnt. Und dann, wenn ihr alles ordentlich genäht habt, sollte euer erstes Quilttop fertig sein 🙂
Fertiges Quilttop
Morgen folgt der letzte Teil der Serie: Quiltsandwich und das Binding.  
Das heißt, ich werde euch zeigen, wie das Quilttop mit Vlies und Rückseite verbunden wird. Das nennt man das Quilten! Und zu guter Letzt erkläre ich, wie man den Rand, das sog. Binding macht.

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