Ohne Tradition ist die Kunst wie eine Herde Schafe ohne Hirt. Ohne Neuerung ist sie ein toter Körper.” (Winston Churchill)

Was wäre das moderne Patchwork ohne die traditionellen Muster, Methoden oder Nähtechniken? Oder umgekehrt – was nutzt uns all das Wissen um diese Techniken, wenn wir sie heute nicht in moderner Weise und mit den Möglichkeiten unserer modernen Zeit umzusetzen wissen?

Wundert euch nicht, dass ich hier einen kleinen Ausflug ins Philosophische gemacht habe, denn genau das war es, was mich sofort gedanklich berührt hat, als ich die Vorworte zu ihrem neuen Buch

SHIBORI – Färben auf Japanisch von Johanna Rundel
 

las. Sie klingt fast ein wenig entschuldigend, was das Verwenden einer traditionellen Methode mit modernen Mittel betrifft. Dabei ist es genau der Punkt, den das Buch und Johannas Herangehensweise so außergewöhnlich macht!

Johanna ist eine Macherin! Ich glaube, man könnte ihr jegliches DIY-Umsetzung-Problem vorsetzten, sie würde eine eigene und extrem probate und moderne Lösung finden. Zu sehen ist das bei ihren bisherigen Büchern (1,2,3 … fertig!: Das 15-Minuten-Bastelbuch für Kinder, Designobjekte aus Beton und Entzückend schmückend: 30 kreative Schmuckideen).
Vielleicht erinnert ihr euch auch an ihren tollen Beitrag zur Sommer Blog Party, als sie exemplarisch ihrem Mann eine Grillrolle genäht hat und uns mit dem dazugehörigen Tutorial beschenkt hat!

Als ich einer Freundin davon erzählte, dass ich über ein Buch eine Rezension schreiben werde, dass sich mit der Shibori-Technik beschäftigt, meinte sie, dass sie diese Nähtechnik schon immer mal lerne wollte… – nein Shibori ist keine Nähtechnik (das ist Sashiko!) – Shibori ist eine traditionelle japanische Färbetechnik. Stoffe werden gefaltet, gebunden, geknotet – und was auch sonst noch… – und dann in Indigo (einer Pflanzenfarbe) gefärbt. Davon und wie man das mit modernen Mittel umsetzt und gespickt mit vielen tollen Anleitungen handelt dieses Buch.

Johanna kommt ohne große Umschweife gleich zum Punkt: Was braucht man? und wie wird´s gemacht? Sie färbt in ihrem Buch mit modernen farbechten Textilfarben neben Baumwollstoffen auch Papier und sogar Tapete! Die Grundtechnik wird mit Text und Bildern so gut erklärt, dass selbst jemand wie ich, der noch nie was gefärbt hat (außer unbeabsichtigt Stoffe in der Waschmaschine ….) sofort im Thema “drin” ist.

Weiß man erst mal, wie´s theoretisch funktioniert, kann sich im nächsten Kapitel dann mit den verschiedenen Techniken und den damit verbundenen Ergebnissen des Färbens auseinander setzten. und dann folgen ganz wunderbare Beispiel und Anleitungen!
Ich mag die Bilder zu den jeweiligen Anleitungen – sie animieren total zum spontanen Nachmachen und durch die kleinen zum Text begleitenden Bilder wird nochmal verdeutlicht, wie denn da gefaltet, gelegt oder was auch immer gemacht werden soll, um später selber ein so tolles Ergebnis zu bekommen.

Dabei erfährt man nicht nur was über die Färbetechnik, sondern kann noch tolle Falttechniken (Lampenschirm) mitnehmen oder bekommt das Einnähen einer Reißverschlusses (Kissen) erklärt. 19 Beispiele hat sich Johanna einfallen lassen, da findet sich für jeden ein Projekt, dass er nach Shibori-Technisch umsetzten kann! 
Ich jedenfalls bin begeistert und habe mir bereits eine neue Pinwand bei Pinterest eingerichtet, in der ich mir jetzt noch ganz viele Ideen sammle, wie ich aus meinen bald selbstgefärbten Stoffen in dieser Technik einen Quilt machen kann!

Wer sich das genauer anschauen möchte und nächsten Samstag in Frankfurt ist, der kann am kommenden Samstag in der Designgalerie Qverfield (Wittelsbacherallee 119, 60385 Frankfurt) ab 16 Uhr an der Buchpräsentation mit offenen Workshops teilnehmen. Johanna wird persönlich ihr neues Buch vorstellen und ihr werdet die Möglichkeit haben, direkt die neue Technik auszuprobieren! 
Und wer sich ein bisschen in die Historie und die Tradition des Shibori vertiefen will, dem empfehle ich folgende Bachelorarbeit von Isabella Ahrens zu dem Thema.

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